Mottinger's Meinung

Wo Meinung auf Popkultur trifft!

Der wahre Protagonist von Collateral ist nicht der, der du glaubst!

Es gibt Filme, die schaut man einfach. Und dann gibt es Filme, die schauen zurück. Yapp, euer Mottinger ist mal wieder fasziniert von einem Film und ich hab gleich mal eine neue Theorie für euch mitgebracht.

Gestern Abend hab ich mir zum keine Ahnung wievielten Mal Collateral von Michael Mann angeschaut. Nach Heat sicher der next beste Film von Mann. Und ja, ich sag’s gleich. Euer Mottinger ist ein riesiger Fan. Für mich ist das einer der besten Thriller der 2000er, Punkt. Aber gestern abend ist mir etwas zum ersten mal aufgefallen bzw klar geworden, das ich nicht mehr ignorieren kann.

Was, wenn Vincent der eigentliche Protagonist ist?

Wir verwechseln ständig Protagonist mit Held. Aber das ist falsch. Der Protagonist ist nicht der Gute, sondern derjenige, dessen Ziel die Handlung antreibt. Und wer hat in Collateral ein klares Ziel? Vincent. Fünf Namen. Eine Nacht. Klare Mission.

Er stößt alles an. Er erzeugt den Konflikt. Er eskaliert ihn. Max hingegen reagiert nur, sabotiert, wirft den Koffer weg, crasht das Taxi, funkt dazwischen. Strukturell gesehen verhält er sich wie ein Antagonist, auch wenn er moralisch natürlich der „Gute“ ist. Und genau das liebe ich an diesem Film, er spielt mit unseren Erwartungen.

Schaut euch nur die Philosophie von Vincent an. Dieses klinische Beobachten von Los Angeles, 17 Millionen Menschen, und keiner kennt den anderen. Die Geschichte vom toten Mann in der U Bahn, der stundenlang unbemerkt herumfährt. Das ist keine Wut. Das ist Diagnose. Und der Film widerspricht ihm nie wirklich.

Die Szene in der Gasse? Max schreit um Hilfe, mitten in einer Millionenstadt. Was passiert? Er wird ausgeraubt. Kein moralisches Erwachen, keine rettende Masse. Nur Gleichgültigkeit. Die Welt funktioniert exakt so, wie Vincent es beschrieben hat.

Sogar die berühmte Kojoten Szene nach dem strukturellen Mittelpunkt fühlt sich wie sein Moment an. Die Kamera bleibt auf seinem Gesicht, fast zärtlich. Reflexionen gehören normalerweise dem Protagonisten.

Und dann das Ende in der U-Bahn. Max erschießt Vincent. Klassischer Sieg des Helden? Vielleicht. Aber denkt an Vincents These. Ein Mann stirbt im Zug, niemand merkt es. Am Ende stirbt er selbst im Zug, in einer Stadt, die ihn nicht wahrnimmt.

Das ist keine Niederlage. Das ist narrative Erfüllung. Er verändert sich nicht. Er bestätigt sich. Sein Weltbild schließt sich wie ein Kreis um ihn. Und ganz ehrlich, das ist für mich spannender als jede klassische Heldenreise. Vielleicht ist Collateral gar nicht die Geschichte eines Taxifahrers, der Mut findet. Vielleicht ist es die Geschichte eines Profis, der konsequent bis zum Ende geht.

Und ich kann nicht anders, ich finde das verdammt genial. Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Mottinger Ende und Aus!