Mottinger's Meinung

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Was Heat über menschliche Nähe verrät, ohne es wirklich laut auszusprechen

Falls wer euren Mottinger jemals fragen sollte, warum Heat sein absoluter Lieblingsfilm ist, sag ich ohne zu zögern, dass es nicht die Schießereien sind, nicht die berühmte Downtown L.A. Sequenz, nicht einmal Pacino und De Niro am selben Tisch. Obwohl die Szene natürlich eine der besten in der Filmgeschichte ist. Für mich geht es in Heat um etwas viel Intimeres, nämlich die nackte Angst vor menschlicher Verbindung, verpackt in einem Action Heist Movie, das eigentlich viel ehrlicher ist als die meisten romantischen Dramen.

Ich weiß, klingt frech, vielleicht sogar ein bisserl großspurig, aber jedes Mal wenn ich den Film schaue, seh ich wieder diesen Kern, der so offensichtlich ist, dass man ihn fast übersieht. Ich hab ja schon einmal über die legendäre Dinner Szene geschrieben, noch immer einer der besten Hollywood Momente überhaupt. Zwei Männer, die einander jagen, die einander nicht ausstehen sollten, sitzen da und reden wie zwei Leute, die sich eigentlich fast verstehen könnten. Ganz ohne Pathos, aber mit einer Wärme, die sie beide eigentlich fürchten.

Und genau da ist für mich der Zauber. Vincent Hanna mit seinem völlig zerrissenen Privatleben, einem Job der ihn auffrisst wie ein schlecht gebauter Holzofen. Er redet groß, ist ständig laut, voll Energie am Einsatzort, aber zu Hause kriegt er es einfach nicht hin. So viel Leben im Beruf und so wenig davon privat.

Dann Neil McCauley, der mit seiner 30 Sekunden Philosophie herumrennt und glaubt, er sei frei, wenn er keine Bindung hat. Ein leeres Haus, ein Leben ohne Besitz, fast wie ein Mönch, nur mit Banküberfällen. Die Beziehung zu Edie zeigt ja eh, wie schnell da etwas ins Wanken kommt, sobald echte Nähe anklopft.

Und irgendwo dazwischen sitzt Val Kilmer, der perfekte Zusatz zu diesem Duo. Ich sag’s ganz ehrlich, ohne ihn würde das ganze Konstrukt nicht so elegant wackeln. Seine Figur ist die Mischung aus Hoffnung und tragischem Scheitern, ein leiser Kommentar darauf, was passiert, wenn man versucht beides zu haben, Job und Verbindung. Und ja, euer Mottinger ist über die Rollen der Frauen im Film bewusst, hier gibt es einen guten Blogpost dazu, vielleicht schreib ich auch paar Zeilen dazu selber auch noch. Let’s see.

Vielleicht bin ich da ein bissl stur, aber Heat erzählt für mich mehr über die menschliche Angst vorm Nahsein als über Verbrechen. Der letzte Moment zwischen Hanna und McCauley ist da fast schon eine kleine Trotzreaktion des Films. Ein kurzer Händedruck, ein stummes Eingeständnis, dass sie im Grunde das gleiche suchen, es aber nicht zulassen. Und ja, das trifft mich jedes Mal ein kleines Stück zu viel. Der Filmemacher Nouri Sardar hat das in seinem Youtube Video auch super auf den Punkt gebracht.

Vielleicht sollten wir uns öfter fragen, vor wem wir eigentlich wirklich davonlaufen und ob es sich auszahlt, immer so zu tun als wär uns alles egal. Anyway, wer Heat länger nimma gesehen hat (oder Gott bewahre, niemals gesehen hat), dann wird es Zeit, sich den Klassiker endlich (wieder) anzusehen. Mottinger, Ende und Aus!