Sodala, euer Mottinger meldet sich nochmal zu den diesjährigen Oscars 2026. Ich hab ja bereits einen Post dazu verfasst, aber hey, paar Tage die Geschichte sacken lassen und dann ist eurem Mottinger folgendes sauer aufgestossen. Denn das was die Academy 2026 da wieder zusammengeschustert hat, wirkt fast wie eine kleine Trotzreaktion gegen alles, was spannend, mutig und ein bissl unbequem ist. Und ja, ich weiß, jedes Jahr wird über Snubs geraunzt. Aber heuer war es schon fast eine Kunstform.
Ich hab mir diese übergangenen Filme angeschaut und bei manchen Titeln sofort dieses Gefühl gehabt, das man sonst nur kennt, wenn im Kaffeehaus jemand mit voller Überzeugung die komplett falsche Mehlspeise bestellt. Es ist nicht tragisch, aber irgendwie beleidigt es den eigenen Geschmack. Genau so fühlte sich das bei The Testament of Ann Lee an. Amanda Seyfried soll darin komplett verschwinden, eine religiöse Figur mit Wucht und Risiko spielen, dazu eine starke Ausstattung und ein Score, der richtig nachhallt. Und die Oscars schauen drüber, als wär das irgendein Sonntag Nachmittag Film. Ganz ehrlich, da fragt man sich schon, ob dort irgendwer überhaupt hinschaut oder nur Kampagnenplakate zählt.
Dann Black Bag. Ein Film mit Soderbergh, Blanchett, Fassbender und einer Prämisse, die vor Spannung fast knistert, obwohl viel davon rund um einen Esstisch passiert. Genau sowas liebe ich ja. Kein hysterisches Herumgefuchtel, keine drei Explosionen pro Minute, nur gute Leute, scharfe Dialoge und dieses unangenehme Gefühl, dass jede höfliche Bemerkung auch ein Messer sein könnte. Und null Oscar Nominierungen. Null. Wundert das nur euren Mottinger? Bin ich da echt der einzige? Da wird dann immer so getan, als wäre die Academy wahnsinnig offen für elegante, intelligente Genrefilme. In Wahrheit mögen sie oft eh nur das, was geschniegelt um Aufmerksamkeit bittet.
Besonders frech finde ich, wie mit Filmen umgegangen wurde, die nicht brav in eine Schublade passen. Mickey 17 klingt herrlich schräg, Robert Pattinson in mehreren Versionen seiner selbst, Bong Joon ho mit schwarzem Humor und Science Fiction, also eigentlich genau das Gegenteil von langweilig. Aber genau da beginnt oft das Problem. Sobald ein Film lebendig, seltsam und ein bissl unberechenbar ist, wird er von manchen Votern offenbar behandelt wie ein peinlicher Verwandter bei einer Familienfeier. Man nickt kurz und hofft, dass er bald wieder geht. Das ist schon schade, weil Kino doch genau dann Spaß macht, wenn es nicht geschniegelt geschniegelt wirkt.
Auch Eddington und No Other Choice passen da perfekt hinein. Das eine politisch aufgeladen und unangenehm aktuell, das andere rabenschwarz, böse und offenbar mit einer Idee, die weh tut, weil sie so nah an echter Verzweiflung dran ist. Park Chan wook wird sowieso seit Jahren behandelt, als hätte Hollywood Angst davor, ihm wirklich die große Bühne zu geben. Dabei wäre genau das längst fällig. Und bei Nuremberg kommt dann noch dieses absurde Detail dazu, dass der Film auf dem Papier eigentlich alles hat, was die Oscars sonst lieben, historische Wucht, bekannte Namen, moralische Schwere, Kritikerlob, Publikumserfolg. Trotzdem wieder kein echter Durchbruch. Fast schon beeindruckend, wie konsequent man danebenliegen kann.
Am meisten bleibt bei mir aber dieses Gefühl hängen, dass viele der spannendsten Filme heuer nicht zu wenig Qualität hatten, sondern zu viel Persönlichkeit. Sie waren nicht geschniegelt genug, nicht berechenbar genug, nicht nett genug. Und vielleicht ist genau das ihr größter Verdienst. Ich schau mir jedenfalls zehnmal lieber einen wilden, eigenwilligen Film an, der mich fordert, als den nächsten geschniegelt verpackten Prestige Kandidaten, den man zwei Wochen später schon wieder vergessen hat. Die Oscars dürfen gern weiter so tun, als hätten sie alles im Griff. Ich glaub ihnen das eh schon länger nicht mehr.
Und vielleicht ist genau das die angenehmste Erkenntnis daran, Kino braucht die Erlaubnis der Academy nicht. Zum Glück. Rant Ende. Mottinger Ende und Aus!
