Manchmal sitzt euer Mottinger in der U-Bahn, scrollt durch die News und fragt sich hier und da ernsthaft, ob wir als Gesellschaft irgendwann einfach alles verwetten müssen. Wetter, Politik, Beziehungen, vielleicht sogar, ob der Kaffee heute bitter schmeckt oder nicht. Und genau in so einer Stimmung bin ich letztens über das Thema Prediction Markets gestolpert und hab mir gedacht, na super, jetzt wird wirklich alles zur Quote.
Ich geb zu, die Idee dahinter klingt auf den ersten Blick fast schon schlau. Vielleicht zu schlau, für den Geschmack eures geliebten Mottingers. Unterschiedliche Meinungen werden zu handelbaren Assets gemacht, quasi Börse für Bauchgefühle. Die CEOs nennen das dann gern einen „Truth Engine“ (Blubb, Blubb, Bullshit, Hust, Hust), als ob Märkte plötzlich objektiver wären als Journalismus. Dabei fühlt sich das Ganze oft eher an wie Sportwetten mit Krawatte. Man wettet halt nicht mehr nur auf das nächste Derby, sondern auf Wahlen, Kriege oder ob irgendein Gesetz durchgeht. Klingt erwachsen, ist aber im Kern immer noch Zocken, nur halt mit PowerPoint.
Was mich besonders amüsiert, ist dieses verbissene Abstreiten, dass es sich hier um Glücksspiel handelt. Nein nein, sagen sie, das sind finanzielle Instrumente. Reguliert, sauber, total seriös. Gleichzeitig kommen dieselben Argumente wie bei klassischen Wettanbietern. Man bekommt Informationen in Echtzeit, der Markt weiß es früher, bla bla. Als ob Quoten plötzlich Journalismus ersetzen würden. Sportwetten liefern übrigens auch laufend „Signale“, nur nennt das dort keiner Nachrichten.
Und dann wird es richtig absurd. Da diskutieren ernsthaft Leute darüber, ob Insiderhandel in Prediction Markets vielleicht eh ganz praktisch wäre. Yepp, richtig gelesen. Euer Mottinger denkt sich das wirklich nicht aus. Brian Armstrong von Coinbase kann sich mit GENAU diesem Gedanken sogar ganz gut anfreunden. Weil dann hätte man ja noch bessere Vorhersagen. Klar, super Idee. Lasst uns Leaks monetarisieren und nennen wir es Effizienz. Dass genau deshalb Insiderhandel an normalen Börsen verboten ist, scheint plötzlich egal zu sein. Hauptsache, das Produkt wirkt schlauer als es ist.
Der eigentliche Popcorn Moment kommt aber erst jetzt. Trump Media steigt ins Prediction Market Business ein. Kein Scherz. Die Plattform heißt Truth Predict und ist angeblich dafür da, dass loyale User ihre Vorhersagen teilen und handeln können. Wahrheit, aber bitte mit Einsatz. Dass ausgerechnet dieses Umfeld plötzlich Interesse an möglichst lockerer Regulierung hat, überrascht jetzt wirklich niemanden. Für mich fühlt sich das an wie Reality TV, nur mit Derivaten.
Ich merk, wie mich das Ganze gleichzeitig fasziniert und dann doch tierischst nervt. Einerseits liebe ich Popkultur (ist sogar in meinem Slogan hier drinnen) und diesen ewigen Drang, alles zu gamifizieren. Andererseits hab ich das Gefühl, dass wir hier gerade dabei sind, jede gesellschaftliche Debatte in ein Wettbüro zu verwandeln. Wenn selbst Casinos sagen, das ist unfairer Wettbewerb, dann sollte man vielleicht kurz innehalten. Sagt irgendwie schon alles. Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber nicht jede Meinung muss ein Markt sein. Manches darf auch einfach Diskussion bleiben, ohne Quote daneben.
Will ich wirklich in einer Welt leben, in der die wichtigste Frage nicht mehr „Was denkst du?“ ist, sondern „Wie viel setzt du drauf?“. Und sind wir wirklich in der Realität angelangt von Biff aus Zurück in die Zukunft. Wetten werden angenommen. Haha. Mottinger, Ende und Aus!
