Wenn ein Jeans-Werbespot für einen Shitstorm sorgt und gleichzeitig den Aktienkurs einer Modemarke um über 400 Millionen Dollar hebt, dann weiß ich auch nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Euer Mottinger ist wirklich verwirrt, kein Spass!
Sydney Sweeney, vielen wahrscheinlich bekannt aus Euphoria oder Anyone But You, hat sich für American Eagle in eine perfekt sitzende Jeans geworfen, ein bisschen mit der Kamera geflirtet und einen frechen Spruch über ihre „Jeans“ (bzw. „Genes“) gemacht und plötzlich brennt das Internet. Aber Hola die Waldfee, sag ich da nur. Ich mein, klar, das Wortspiel ist nicht gerade literarischer Hochgenuss. „Sydney Sweeney has great Jeans.“ Haha, verstanden? Genes, Jeans… eh scho wissen. Aber ganz ehrlich, Leute. Wer da wirklich Rassismus reinliest, der will ihn auch wirklich finden. Oder hat einfach zu viel Zeit. (Falls ihr euch einlesen wollt: sueddeutsche.de und stern.de haben ausführlich berichtet.)
Natürlich hat das Ganze einen bitteren Beigeschmack. Eine blonde, blauäugige Schauspielerin, die in einem Spot über ihre „guten Gene“ spricht. Da läuten bei manchen verständlicherweise die Alarmglocken. Und plötzlich ist von Eugenik, Dog Whistling und rechter Symbolik die Rede. Die Kommentarspalten explodieren. American Eagle verteidigt sich auf Instagram, Sweeney schweigt. Der Kulturkampf ist eröffnet. Und mittendrin. Eine Jeans Hose.
Ich frag mich. War das naiv oder kaltes Kalkül? Vielleicht beides. Vielleicht war’s denen auch komplett wurscht. Die Aufmerksamkeit zählt. Und davon gab’s reichlich. Meme-Stocks, Reddit-Trader und Fashion-Fans haben sich gegenseitig überboten. Das Resultat: +22 Prozent Kursgewinn über Nacht. 416 Millionen Dollar. Für 30 Sekunden Ironie mit Waschbrettbauch. Auch euren Mottinger hat das beeinflusst. Grad geschaut, ob ich bei meinem Jeans Dealer meines Vertrauens Jeans-Meile.de American Eagle Jeans bestellen kann. Für meine Frau, nicht für mich 😛 Aber leider Fehlanzeige. Mal den Kundensupport fragen, ob sie die ins Angebot nehmen. Grad jetzt bei all den Hype.
Aber reden wir mal Tacheles. So wie ihr euren Mottinger kennt und liebt. Natürlich spielt die Kampagne mit dem männlichen Blick. Natürlich weiß Sweeney genau, wie sie sich vermarktet. Aber verdammt noch mal, warum auch nicht? Wenn’s eh immer um ihren Körper geht, warum soll sie dann nicht wenigstens die Kontrolle übernehmen? Kapitalismus ist kein Ponyhof, sondern eher eine Wildwest-Show. Und wer überlebt, trägt tief sitzende Jeans und einen Augenzwinker. Sweeney hat beides.
Ob das politisch korrekt ist? Keine Ahnung. Ob es clever ist? Hell yes. Denn unterm Strich hat sie’s geschafft: Sie ist überall. In Newsfeeds, in Börsencharts, in Feuilletons. Und vielleicht, ganz vielleicht, öffnet das sogar ein Tür zu Rollen, in denen nicht nur ihre DNA zählt. Die Boxerin Christy Martin soll sie bald spielen. Ohne Make-up, ohne tiefen Ausschnitt, mit Boxhandschuhen statt Spitzentop.
Ich bin gespannt, ob sich dann jemand traut zu sagen: „Sydney Sweeney has great chops.“ Wär mal ein anderes Meme.
Und bis dahin, Leute: Zieht euch an, was euch Spaß macht, glaubt nicht jeden Spin im Netz und passt auf eure Gene auf. Man weiß ja nie, was die nächste Kampagne draus macht. Mottinger, Ende und Aus.